Gekämpft. Gelitten. Gewonnen.

Ich war schon als kleines Mädchen eine Kämpferin. Passte mit meinem Gedankengut nicht immer in die Gesellschaft, in der ich aufwuchs. Ich war sehr stark, wenn es um die Rechte der anderen ging, konnte es nicht leiden, wenn ich anders behandelt wurde oder mich anders verhalten sollte, weil ich ein Mädchen war. Habe manchmal auch versucht, mich wie ein Junge zu benehmen, doch das ging auch nicht auf. 

Von einer Grossstadt wie Istanbul in ein kleines Dorf ins Toggenburg zu wechseln war zuerst ein Schock. Doch da begann der Kampf der Integration für mich durch meine Mutter. Sie kämpfte sich durch, dass ich so schnell wie möglich in die Schule ging und zwar gleich in die zweite Klasse, wo ich nach ihrer Meinung hingehörte….. Diesen Kampfgeist habe ich wohl von ihr und so habe ich mich auch mit einer Selbstverständlichkeit für die Integration von Fabian eingesetzt. Weil Teilhabe für mich eine Weltanschauung ist, eine Ideologie, eine Sicht, eine Frage der Haltung.

Es war eine schwierige Zeit, ein Kind zu bekommen, das ich mir so nicht gewünscht hatte, ein Arzt, der die Bluttestergebnisse nicht mitteilte, die Gesellschaft, welche Menschen mit Behinderung nicht willkommen heisst, und so weiter… Als junge Frau, die so viele Wünsche und Träume hatte, fühlte ich mich alleine gelassen im Umgang mit dieser grossen Aufgabe. Doch wie heisst es so schön „Wer weiss, wozu es gut ist?“  oder «Du weisst nie, wie stark du bist, bist stark sein die einzige Wahl ist, die du hast.» Alles hat seinen Grund, wir wissen nur nicht, wozu etwas gut ist. 

Ja, heute bin ich dankbar, dass ich während der Schwangerschaft nichts von der Trisomie wusste. Heute sehe ich Fabian als ein Geschenk, für mich, für unsere Familie, für unsere Freunde, für die Gesellschaft. Wer dieses Geschenk sehen möchte, sieht es. 

Ich habe mich stark engagiert, habe Weiterbildungen und Ausbildungen gemacht, die ich ohne Fabian nie gemacht hätte, habe viel eingesetzt und viel verspielt, viel bewirkt, viel erduldet und erkämpft,dafür viel erreicht. Ja, und es war manchmal schwierig. Doch ich glaubte fest daran, dass, das was ich tue, das Bestmögliche ist, was ich tun kann, für Fabian, für andere Menschen mit Behinderung und deren Familien. Und ich beschloss, so oft wie möglich optimistisch und positiv durchs Leben zu gehen. Das war meine Art, mit meiner Situation umzugehen. Für mich, für uns ging diese Einstellung auf. Eines war jedoch klar für mich: Fabian ist nicht verhandelbar. Fabian zuerst.

Nun, nachträglich: ob alles immer gut war? Wer weiss das schon. Ich bin zufrieden und stolz, wie sich Fabian entwickelt hat. Ich war einfach überzeugt, dass Integration und Teilhabe der einzig richtige Weg für mich ist und zwar von Geburt an. Ich habe viel unternommen, viel durchgezogen, viel geweint, viel gezweifelt, viel gezögert, viel nachgedacht, viel umgestellt, vieles nicht verstanden, einiges verloren, einiges verpasst, einiges umgestellt und viel gewonnen, viel Neues kennen gelernt, viel gelacht, und immer wieder wurde ich beschenkt. Ich durfte dank Fabian lernen, einiges im Leben anders zu betrachten, lernte aufzustehen, wenn ich tief fiel, lernte auch, wenn es nicht einfach war, zu lächeln und weiter zu machen sowie dankbar zu sein, dass das Leben schön ist mit allen Tiefen und Höhen. 

 

Fought. Suffered. Won.

I was a fighter even as a little girl. My thoughts didn't always fit into the society in which I grew up. I was very strong when it came to the rights of others, I couldn't stand being treated differently or behaving differently because I was a girl. Sometimes I also tried to behave like a boy, but that didn't work out either.

 

Moving from a big city like Istanbul to a small village in Toggenburg was a shock at first. But then my mother started the struggle of integration for me. She fought her way through so I could go to school as quickly as possible, right into the second class, where she thought I belonged..... I probably got this fighting spirit from her and so I also fought for the integration of Fabian as a matter of course. Because inclusion for me is a a belief, a deep rooted opinion, a way to live by.

 

It was a difficult time to have a child that I had not wished for, a doctor who did not communicate the blood test results, the society that does not welcome people with disabilities, and so on... As a young woman who had so many wishes and dreams, I felt left alone in dealing with this great task. But how does it say "Who knows what it's good for?" or "You never know how strong you are, being strong is the only choice you have"? Everything has its reason, we just don't know what something is good for.

 

Yes, today I am grateful that I didn't know anything about trisomy during pregnancy. Today I see Fabian as a gift, for me, for our family, for our friends, for society. Whoever wants to see this gift sees it.

 

I have been very committed, I have done further education and training that I would never have done without Fabian, I have invested a lot and have gambled a lot, I have achieved a lot, I have endured and fought a lot, but I have achieved a lot. Yes, and it was sometimes difficult. But I firmly believed that what I was doing was the best I could do for Fabian, for other people with disabilities and their families. And I decided to go through life optimistically and positively as often as possible. That was my way of dealing with my situation. For me, for us this attitude worked. But one thing was clear to me: Fabian is not negotiable. Fabian first.

 

Well, afterwards: whether everything was always good? Who knows. I am satisfied and proud of how Fabian has developed. I was simply convinced that inclusion and participation was the only right way for me from birth. I did a lot, pulled a lot through, cried a lot, doubted a lot, hesitated a lot, thought a lot, changed a lot, didn't understand a lot, lost a lot, missed a lot, changed a lot and won a lot, got to know a lot of new things, laughed a lot, and was given presents again and again. Thanks to Fabian, I was allowed to learn to look at things differently in life, learned to stand up when I fell deeply, learned to smile and continue even when it wasn't easy, and learned to be grateful that life is beautiful with all its depths and heights.

 

 

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Comments: 1
  • #1

    Sara (Friday, 21 December 2018 16:51)

    Danke Oezlem Bächli für deine Geschichte! Du gibst Mut an andere Mütter!