Tag für Tag eine Lösung

Starke Mütter erzählen: Lydia Landert
Starke Mütter erzählen: Lydia Landert

Mein Name ist Lydia Landert und als ich im Januar 1958 das Licht der Welt erblickte, ahnte ich in keiner Art und Weise, was das Leben mir bieten würde.

Ich wurde Lehrerin auf der Mittelstufe, gab Vollgas, und hängte den Job nach 9 Jahren an den Nagel. Heute würde man dem wohl « Burn Out» sagen. Es folgte Heirat, vorübergehende Trennung- immer auf der Suche nach meinem Sinn und Zweck im Leben. 1986 verstarb meine Mutter leider viel zu früh und mein Weg führte wieder zu meinem Mann zurück. 1989 kamen Tochter Céline und 1991 Tochter Sylvana zur Welt.  Schliesslich folgte dann 1998 der alles auf den Kopf stellende Champion Andres mit Trisomie 21. Ich war damals sehr besorgt um sein Leben, denn er kam blau und voller Wasser zur Welt und konnte gar nicht alleine atmen. Aber mit all unserer Unterstützung (auch die von Ärzten und Pflegepersonal) meisterte er diese erste Hürde mit Bravour. Ja, ich habe damals und in den Folgejahren viel mitgemacht an Sorgen, Ängsten, und der Frage nach dem «warum». Diese Frage entsorgt man aber am besten schleunigst, weil es schlicht und einfach keine Antwort darauf gibt.

 

Die folgenden «gefühlten» Tausenden von Therapiestunden waren manchmal anstrengend, haben aber gefruchtet und heute bin ich stolz darauf, mit meinen Mädels und Andres drei so tolle Kinder an meiner Seite zu haben😊

Ein leises Bedauern ist noch da, weil die «Yes we can» Mathe und die besseren Lese- und Spracherwerbsmethoden für unseren Andres etwas zu spät kamen.

 

Wir wohnen in einer wunderschönen ländlichen, aber doch Stadtnahen Gegend und unsere damals neu erbaute Siedlung mit den vielen Kindern bot meinen Kids ein geniales Aufwachsen. Trotzdem fiel mir ab und zu das Dach auf den Kopf und so probierte ich mich in verschiedenen Berufen aus: als Reiseleiterin in einem Car-Unternehmen (misslang sehr, weil ich keine WitzeErzählerin bin), als Verkäuferin in einer französischen Kinderkleiderboutique (wo ich meinen Hang zur Modewelt etwas ausleben konnte), und schliesslich als Bodenpersonal bei Swiss in den Lounges des Flughafens Kloten. Hier gefiel mir der Umgang mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen sehr gut, da ich wahnsinnig gerne reise.

 

Immer wieder führte mich mein Weg jedoch zurück zur Schule über Vikariate, die an mich traten. Eines Tages kam sogar ein Job als Englischlehrperson an der Oberstufe auf mich zu. Das hat mir grossen Spass gemacht- einerseits von der Materie her, anderseits, weil meine Mädels damals im gleichen Alter waren. Nach 5 Jahren versiegte dann langsam die Lust an den ewigen Auseinandersetzungen mit diesen « Puber- Tieren» (Bezeichnung von einem Buchtitel übernommen) und die Ablösung kam dann mit der abgeschlossenen Ausbildung zum Bioenergetiker nach der Philippi Methode. So eröffnete ich also eine eigene Praxis für Gesundheit nach der Philippi Methode, die bis heute fortbesteht.

 

Die Sorge, was wird wohl aus meinem Sohn werden, hat sich nun gelegt. Er beginnt jetzt im August 2018, sein Talent zum Schauspieler im neuen «mach Theater» bei Urs Beeler auszuleben. Ich freue mich sehr, dass er diese Möglichkeit bekommt, in seinem Leben etwas anderes als Werkstattarbeit kennen zu lernen. Die kann dann vielleicht später kommen.

 

Andres ist einer meiner grössten Lehrer geworden und hat mit mir Schritt für Schritt erarbeitet, was es heisst,im Hier und Jetzt zu leben. Was morgen ist, wird sowieso kommen und dann schauen wir weiter!

 

Im 2013 habe ich dann schliesslich meinen Traumjob an der Schule gefunden, als Heilpädagogin an der Mittelstufe und ich habe mich sehr auf die « aufgezwungene» aber spannende Weiterbildung an der HfH gefreut. Aber es sollte anders kommen. Ende 2015 dann der Break Down mit der Diagnose Lungenkrebs, Stadium 4. Was die Ärzte mir damals für eine Lebenserwartung geben wollten, interessierte mich nicht und so bin ich auch ohne Chemo immer noch da. Mein Sohn hat mich ja gelehrt, Tag für Tag hin zu schauen und Lösungen zu finden. Ich versuche nun also hartnäckig «meinen Weg» zu gehen und auch hier die Frage nach dem «Warum» aus zu lassen, denn auch hier gibt es keine Antworten.

 

«Life ist (eben) life, nanana nana… heisst es doch so schön in diesem alten Ohrwurmsong.

Beeinträchtigungen haben 1000 Namen, aber dahinter steckt für mich immer eine Menschenseele in einem Körper, die IHR Leben erfüllen möchte. Ist es bei uns nicht Beeinträchtigten denn anders?

Das Leben hat mir grossen Reichtum an vielen Erfahrungen beschert…in vielen Facetten, und ich hab’s bis jetzt angepackt, Tag für Tag. Jetzt wird es aber schleunigst Zeit, etwas mehr an mich zu denken, denn ich möchte ja wieder vollständig gesund werden. Es gibt schliesslich noch viel zu tun- mein Lebenszweck ist noch nicht fertig erfüllt. So kommt es, dass ich mit viel Aufwand -an meiner statt- den Sensemann zurück an den Start geschickt habe.

 

Mit weniger Worten zusammengefasst würde ich mich beschreiben als die, mit der man lachen und weinen kann und die stets versucht stimmige Lösungen zu finden. Leider bin ich auch süchtig nach Harmonie und Frieden, was viel Konfliktpotential in sich birgt und so hoffe ich, gelingt es mir immer besser, mein Leben so hinzukriegen, wie es für mich eben erdacht ist.

 

A solution every day

My name is Lydia Landert and when I saw the light of day in January 1958, I had no idea what life would offer me.

 

I became a middle school teacher, gave full throttle, and quit the job after 9 years. Today one would probably say " Burn Out". It was followed by marriage, temporary separation - always in search of my purpose in life. In 1986 my mother died much too early and my way led back to my husband. In 1989 daughter Céline was born and in 1991 daughter Sylvana.  Finally, in 1998, the upside-down champion Andres with Trisomy 21 followed. I was very worried about his life, because he was born blue and full of water and could not breathe alone. But with all our support (also from doctors and nursing staff) he mastered this first hurdle with flying colours. Yes, at that time and in the following years I participated a lot in worries, fears and the question of "why". But this question is best disposed of as soon as possible, because there is simply no answer to it.

The following "felt" thousands of therapy hours were sometimes exhausting, but have fructified and today I am proud to have three such great children with my girls and Andres at my side to haben😊

 

A slight regret is still there, because the "Yes we can" math and the better reading and language acquisition methods came a little too late for our Andres.

 

 We live in a beautiful rural, but close to the city area and our new built settlement with the many children offered my kids a brilliant growing up. Nevertheless, from time to time the roof fell on my head and so I tried my hand at various jobs: as a tour guide in a car company (very unsuccessful because I am not a joke teller), as a saleswoman in a French children's clothing boutique (where I was able to live out my penchant for fashion a little), and finally as ground staff at Swiss in the lounges of Kloten airport. Here I liked the contact with people from other countries and cultures very much, because I love to travel.

 

 Again and again, however, my way led me back to school via vicariates who came to me. One day I even got a job as an English teacher at the upper school. That was great fun for me - on the one hand because of the material, on the other hand because my girls were the same age at that time. After 5 years the pleasure in the eternal arguments with these "puber-animals" (name taken from a book title) slowly dried up and the replacement came then with the completed training to the bioenergetic according to the Philippi method. So I opened my own practice for health according to the Philippi method, which still exists today.

 

The worry, what will become of my son, has now passed away. In August 2018 he starts to live out his talent as an actor in Urs Beeler's new "mach Theater". I am very happy that he gets this opportunity to get to know something other than workshop work in his life. Maybe it can come later.

 

Andres has become one of my greatest teachers and has developed step by step with me what it means to live in the here and now. What is tomorrow will come anyway and then we will look further!

 

 In 2013 I finally found my dream job at the school, as a curative teacher at the middle school and I was very much looking forward to the "forced" but exciting further education at the HfH. But it should come differently. At the end of 2015 the break down with the diagnosis lung cancer, stage 4. What the doctors wanted to give me at that time for a life expectancy did not interest me and so I am still there without chemo. My son taught me to look every day and find solutions. I am now trying stubbornly to go "my way" and leave out the question of "why" here as well, because there are no answers here either.

 

"Life is (just) life, nanana nana... it says so beautifully in this old earworm song.

 

Impairments have 1000 names, but behind it there is always a human soul in a body for me, which wants to fulfill YOUR life. Is it not different for us who are impaired?

 

Life has given me great wealth of many experiences...in many facets, and I have tackled it until now, day after day. But now it's about time to think a little bit more about myself, because I want to get completely healthy again. After all, there is still a lot to do - my purpose in life has not yet been fulfilled. So it happens that I sent the senseman back to the start with a lot of effort - at my place.

 

In a few words I would describe myself as one with whom one can laugh and cry and who always tries to find harmonious solutions. Unfortunately, I am also addicted to harmony and peace, which holds a lot of conflict potential in itself and so I hope, I always succeed better to get my life the way it is conceived for me.

 

 

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Comments: 3
  • #1

    Trudi (Tuesday, 21 August 2018 18:52)

    Liebe Lydia, dein Bericht ist so berührend und zeugt von einer starken, weisen, kraftvollen Seele, die ihren Weg geht. Vieles ist nicht beschrieben worden, all die Ängste mit der Diagnose, die Operationen, das Aufrappeln mit gleichzeitigem Kämpfen um die richtige Behandlung und um nicht in der Maschinerie der Medizin zu versinken...tapfere, grosse Seele!

  • #2

    Silvia (Tuesday, 21 August 2018 19:49)

    Liebe Lydia
    Waaaahnsinnig spannend und enorm berührend, dein Lebensbericht.
    Du machst Mut, gibst Zuversicht und den Willen durchzuhalten.
    Ich wünsche euch von Herzen viele viele harmonische und liebevolle Momente.

  • #3

    Nora (Monday, 03 September 2018 06:43)

    Liebe Lydia
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, damit dein Mut und deine Energie - welche aus dem Artikel ausstrahlen - weiter wachsen.
    Mach weiter so�